Ghazipur

Ein Hund blickt vom Rand des Müllberges auf die Millionenmetropole Delhi, die längst weit über die einst vor der Stadt liegenden Müllkippe gewachsen ist.

Ghazipur

Delhis Problem mit dem Müll

Delhi, Indien. 2018

Ein Schleier aus Abgasen und Qualm liegt über der Stadt. Ein beißender Gestank von schmorendem Plastik und Verwesung liegt in der Luft. Der Lärm der Straßen dringt nur gedämpft hier hoch. Hunde streiten sich um blutige Schlachtabfälle und Kühe zerkauen weggeworfene Gemüsereste. Müllsammler durchsuchen die frisch angelieferten Ladungen nach verwertbaren Kunststoffresten. Hoch oben ziehen Greifvögel ihre Runden wie Geier über dem Aas.
Schon von weitem ist die unförmige Erhebung im östlichen Teil der indischen Hauptstadt zu erkennen. Zum Roten Fort, Delhis wohl bekanntester Sehenswürdigkeit, sind es von hier nur 9 km Luftlinie.

Nach Angaben der East Delhi Municipal Corporation lagern insgesamt 14 Millionen Tonnen Müll in Ghazipur. Mit einer Höhe von 65 Metern ist diese Deponie fast genauso hoch wie die Queen Mary 2 oder die Siegessäule in Berlin. Delhi produziert 9000 Tonnen Müll am Tag, wovon 2000 Tonnen in Ghazipur landen. Der Rest landet auf drei weiteren Müllhalden der Hauptstadt. Mit über 29 Hektar ist Ghazipur die
größte und mit 33 Jahren auch älteste Mülldeponie in Delhi. Zusammengefasst haben Delhis vier Müllhalden (216 Acres oder 87,31 Hektar) die doppelte Größe des Vatikans (44 Hektar) oder von 122 Fußballfeldern.
Der Sättigungspunkt von Ghazipur war bereits 2002 erreicht, erklärt Mr. Singh von der Gemeindeverwaltung, doch es mangelt an Alternativen und Ausweichflächen. Die Politik scheint unwillig zum Handeln und begnügt sich mit gegenseitigen Schuldzuweisungen.
Am 01. September vergangenen Jahres löste sich durch lang anhaltenden Regen ein Teil des Hanges und überschwemmte einen parallel laufenden Fluss und angrenzende Wohngebiete. Er riss mehrere fahrende Autos von einer Straße in den Fluss und begrub zwei Menschen unter sich. Auch damals sollte ganz schnell nach Alternativen gesucht werden, um weitere tödliche Unfälle zu vermeiden. Passiert ist seither nichts.
Austretende Gase und immer wieder sich selbst entzündende Brände, die nur schwer unter Kontrolle zu bekommen sind, machen den Bewohnern der angrenzenden Wohngebiete zusätzlich das Leben schwer. Anwohner berichten von anhaltendem Gestank und schwerem, schwarzen Staub, den sie alltäglich von ihren Eingängen und Fenstersimsen kehren. Besonders Kinder und alte Menschen leiden hier unter
Atemwegserkrankungen, sogar die hier gehaltenen Büffel haben Atemschwierigkeiten und einige sterben qualvoll daran. Wer kann, ist hier längst weggezogen.