El Ejido

Arbeiter verzurren Drahtkonstruktionen, die später mit Plane bedeckt, das Dach eines neuen Gewächshauses darstellen.

El Ejido

mar del plastico

Almeria, Spanien. April 2007

Der staubig-trockene Boden außerhalb El Ejidos erinnert eher an eine unfruchtbare Wüstenlandschaft als an ein adäquates Anbaugebiet für Gemüse. Kaum verlässt man zu Fuß das Stadtgebiet dieser wohlhabenden und prosperierenden Kleinstadt, kommt man unweigerlich mit abgerissenen Plastikplanen und daher gewehtem Treibhausmüll in Kontakt. Wo eben noch saftig grüner Rasen Kühle spendete und gesunde Bäume Schutz vor der Sonne Südspaniens boten, da ist man nun der gnadenlosen Hitze ausgeliefert und vorbei fliegender Plastikmüll verheddert sich in den Ästen der wenigen Pflanzen, die diesem Klima trotzen.

Der Übergang zu den Gewächshäusern findet indes fließend statt. Fast nahtlos schmiegen sie sich an die vorstädtischen Industrieareale und beherrschen plötzlich das ganze Sichtfeld. Von einer Anhöhe oder aus der Luft ergeben diese unzähligen Plastikplanen ein silbrig-graues und die Sonne reflektierendes Bild, das dem eines Meeres ähnelt. Alle paar Jahre werden die Gewächshäuser abgerissen und neu wieder aufgebaut. Oft sind die Plastikplanen zerschlissen und Bakterien und Keime haben sich in den entlegendsten Ecken eingenistet. Dann wird auch neuer Kiesboden aufgeschüttet und mit Plastikfolien versiegelt, worauf das Pflanzensubstrat folgt, in welches die Keimlinge eingesetzt und mit automatisierter Wasser- und Nährstoffzufuhr versorgt werden.

Das Besondere an dieser Südspitze Almerias sind jedoch die natürlichen unterirdischen Grundwasserkanäle, die eine Bewässerung der künstlichen Anbauflächen erst ermöglichen. Gepaart mit der hohen Sonnenkonzentration und Pestizideinsatz ergeben sich 2-3 Ernten im Jahr. Ein weiterer Faktor für die kostengünstige Erzeugung des Gemüses sind die unzähligen nordafrikanischen Arbeiter, die in Holz- und Betonverschlägen zwischen den Gewächshäusern leben. Sie besitzen selten eine Aufenthaltserlaubnis oder einen Arbeitsvertrag und somit auch keine Möglichkeit, Rechte oder eine faire Bezahlung einzufordern.

Neben ausgedienten Jahrespflanzen, benutzten Plastikplanen und aufgebrauchten Pestizidbehältern stapeln sich in den vereinzelten Müllcontainern auch leere Pappkartons, in denen Hummelvölker zur Bestäubung der nach außen abgeschotteten Pflanzen enthalten sind. Überschüssiges Gemüse wird oft achtlos an den Wegesrand gekippt und die satten Rot- und Grüntöne der reifen Tomaten und Gurken bilden einen starken Kontrast zu der grauen Umgebung.